Oktoberfestbier - das Bier der Wiesn

Mit dem Ausspruch: "O'zapft is! Auf eine friedliche Wiesn" eröffnet jedes Jahr um Punkt 12 Uhr der Münchner Oberbürgermeister, nachdem er das erste Fass Bier angestochen hat, das größte Volksfest der Welt. Gleichzeitig wird der Beginn des jährlich wiederkehrenden Oktoberfestes mit 12 Böllerschüssen kundgetan. Ist auch der letzte Schuss verhallt, starten die Wiesn Wirte den Bierausschank und der Run auf die Festzelte nimmt seinen Anfang.

Allerdings ist die erste Maß Bier dem bayerischen Ministerpräsidenten vorbehalten. Erst wenn er sein Festbier erhalten hat, dürfen sich auch die übrigen Besucher an der gelben Erfrischung laben. Und erfrischend ist das Oktoberfestbier auf jeden Fall. Denn jedes Jahr wird der Ansturm größer auf das eigens fürs Fest gebraute Bier. Lag der Bierkonsum auf dem Oktoberfest im Jahr 1980 noch bei 3,8 Millionen Liter, stieg er bis zum Jahr 2000 auf 6,4 Millionen Liter an. Und 2015 wurden sogar 7,5 Millionen Liter Festbier getrunken.

Als echtes Münchner Fest stammt das Festbier immer von den sechs Münchner Brauereien. Fremde Bierbrauer dürfen auf der Wiesn ihr Bier nicht anbieten. Und nicht nur auf der Festwiese können Sie das süffige Bier genießen. Es wird abgefüllt und in Flaschen und Fässern in die ganze Welt verkauft.

Oktoberfestbier Geschichte

Selbstverständlich gilt auch für das Wiesnbier das bayerische Reinheitsgebot von 1487. Dennoch hat das Festbier eine eigene Geschichte: Da früher das Bier aufgrund mangelnder Kühlung rascher verdarb, wurde im Jahr 1539 die Bayerische Brauordnung erlassen. Sie besagte, dass nur in der Zeit zwischen dem 29. September und dem 23. April das Bierbrauen erlaubt war.

Das damals beliebte untergärige Bier benötigt zwar eine längere Reifezeit, ist dafür aber voller im Geschmack und länger haltbar. Um den Haltbarkeitsgrad zusätzlich zu steigern wurde das Bier mit einem höheren Alkoholgehalt gebraut. So konnte es im März in den Bierkellern eingelagert werden und war selbst auf den Herbstfesten noch erfrischend und süffig.

Aus diesem Grund war früher das Oktoberfestbier ein Märzen. Heute braut nur noch Hacker-Pschorr das dunkelgelbe, traditionelle Märzen für die Wiesn. Die anderen fünf Münchner Brauereien vertreiben ein hellgelbes, kupferfarbenes, stark gehopftes Wiesn Bier, das eher an die Sorte Wiener Export erinnert.

Erst seit 1950 findet der erste Bieranstich zur Eröffnung der Wiesn durch den Münchner Oberbürgermeister statt. Und dass die erste Maß für den bayerischen Ministerpräsidenten reserviert ist, wurde gar erst im Jahre 1980 von dem damaligen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß eingeführt.

Der Bieranstich-Rekord wird mit nur 2 Schlägen von Christian Ude (in den Jahren 2005 und 2008 bis 2013) und Dieter Reiter (in den Jahren 2015 bis 2017) gehalten. Die meisten Schläge, nämlich 20 brauchte ebenfalls Christian Ude. Aber auch Georg Kronawitter hatte mit 15 Schlägen Mühe beim Bieranstich.

Oktoberfestbier

Oktoberfestbier: Unterschied zu normalem Bier

Auch wenn es heute ausreichend Kühlgelegenheiten gibt und das Wiesnbier nicht mehr im März vorgebraut werden muss, weist es traditionsgemäß trotzdem einen höheren Alkoholgehalt auf, als herkömmliches Bier. Denn die Stammwürze des Festbiers liegt nicht, wie üblicherweise zwischen 11 und 13 Prozent, sondern sie beträgt mindestens 13,5 Prozent.

Daraus ergibt sich, dass das Oktoberfestbier im Gegensatz zum herkömmlichen Hellen mit 5 Prozent Alkohol, circa 6 Volumenprozent aufweist. Das schlägt sich natürlich sowohl in der Wirkung, wie auch im Preis nieder. Weil der, um ein Prozent höher liegende Alkoholgehalt häufig unterschätzt wird, kommt es jedes Jahr auf dem größten Volksfest der Welt zu zahlreichen Alkoholexzessen und die Sanitäter haben alle Hände voll zu tun.

Auch der Bierpreis liegt im Vergleich zur Maß in einem bayerischen Biergarten um einiges höher. Und, so sicher wie das Amen im Gebet, steigt er auch jedes Jahr um einige Cent an. Während die Maß Oktoberfestbier in den Jahren 1900 mit 35 Kreuzern und 1910 mit 38 Pfennig noch recht erschwinglich war, kostete sie im Jahr 1949 bereits 1,70 DM. 1973 überschritt der Bierpreis mit 3,10 DM die Drei-DM-Grenze und 1981 mussten die Wiesn Besucher schon stolze 5 DM für eine Maß Festbier bezahlen.

2002, im ersten Euro-Jahr, kostete das Oktoberfestbier 6,40 Euro. Und während Sie 2017 noch für unter 11 Euro eine Maß Bier auf dem Oktoberfest trinken konnten, verlangen die Brauereien in allen großen Festzelten im Jahr 2018 bereits über 11 Euro für einen Liter Festbier.

Oktoberfestbiere

Die sechs Münchner Brauereien Augustiner Bräu, Hacker-Pschorr, Spaten, Löwenbräu, Hofbräu und Paulaner sind zu dem Verein Münchner Brauereien e. V. zusammengeschlossen. Nur den Brauereien, die diesem Verein angehören, ist es erlaubt, das markenrechtlich geschützte Oktoberfestbier für das größte Volksfest der Welt zu brauen. Aus diesem Grund haben Sie auf der Wiesn die Qual der Wahl zwischen den Bieren der folgenden sechs Brauereien:

  • Die Augustiner Brauerei wurde bereits im Jahr 1328 gegründet und ist somit die älteste Münchner Brauerei. Für das Oktoberfest braut sie ein helles Festbier mit 6,0 Prozent Alkoholgehalt. Als Traditionsbrauerei ist sie die Einzige, die das Bier noch im traditionellen Holzfass, dem sogenannten Hirschen, lagert. Augustiner Bräu wird auf der Wiesn im Augustiner Festzelt und in der Fischer Vroni ausgeschenkt.
  • Die Brauerei Hacker-Pschorr gibt es seit 1417. Sie braut als einzige Brauerei ein Märzen für das größte Volksfest der Welt. Der Alkoholgehalt liegt beim Hacker-Pschorr Oktoberfestbier bei 5,8 Volumenprozent, womit es das schwächste Wiesnbier ist. Sie können auf dem Oktoberfest das Märzen von Hacker-Pschorr im Himmel der Bayern (=Hacker-Zelt) und in der Pschorr-Bräurosl trinken.
  • Seit 1589 gibt es das Hofbräu-Bier. Es dürfte nicht nur den Einheimischen, sondern auch zahlreichen Touristen bekannt sein, unterhält doch die Brauerei mit dem Hofbräukeller in der Inneren Wiener Straße einen der schönsten Biergärten Münchens. Auf dem größten Volksfest der Welt ist sie mit dem stärksten Bier vertreten. Das 6,3 prozentige Hofbräu-Bier können Sie nur im Hofbräuzelt genießen.
  • Wie lange es die Löwenbräu Brauerei bereits gibt, lässt sich heute nicht genau nachweisen. Feststeht, dass es sich um eine ebenfalls sehr alte Brauerei handelt. Der Name Löwenbräu taucht zum ersten Mal 1746 im Biersudverzeichnis der Stadt München auf. Das Logo der Marke ist ein Löwe. Deswegen können Sie auch auf dem Wiesn-Zelt der Löwenbräu einen riesigen Löwen bewundern, der mit dem Schwanz wackelt und brüllt. Das Oktoberfestbier von Löwenbräu enthält 6,1 Volumenprozent Alkohol und ist außer im Löwenbräu-Zelt auch im Schützen-Festzelt zu haben.
  • Die Münchner Brauerei Paulaner ist weltweit wegen ihres Weizen- und Starkbiers bekannt. Deutschlandweit hat sie sich auch mit dem Starkbierfest auf dem Nockherberg einen Namen gemacht. Die Brauerei ist auf dem Oktoberfest mit einem 6,0 prozentigen Festbier vertreten, das im Winzerer Fähndl, im Armbrustschützen-Zelt und im Käferzelt ausgeschenkt wird. Die Paulaner Weiße erhalten Sie außerdem im Nymphenburg Wein- und Sektzelt.
  • 1397 gegründet, ist die Spatenbrauerei das zweitälteste Münchner Brauhaus. Ebenfalls zur Familie Sedlmayer, den Besitzern der Spatenbrauerei gehört die Franziskaner-Brauerei. Spaten und Franziskaner Bier können Sie im Schottenhamel, im Marstall, in der Ochsenbraterei und in der Spatenbräu Festhalle ergattern. Im Schottenhamel findet der jährliche Bieranstich zur Eröffnung der Wiesn statt. Denn auch er wird mit Spatenbräu zelebriert. Die Traditionsbrauerei stellt zum Fest ein Bier mit 5,9 Prozent Alkohol her.

Selbstverständlich müssen aber auch die Nicht-Bier-Trinker auf dem Oktoberfest nicht verdursten. Während sich Heißgetränke wie der Latte Macchiato für circa 5 Euro oder die Tasse Filterkaffee für stolze 9,60 Euro als recht teure Alternativen erweisen, können Sie die einfache Orangenlimo schon für 3,00 oder 3,50 Euro finden. Als alkoholische Bieralternativen können Sie wählen zwischen Wein, Sekt, Hochprozentigem oder auch Champagner.

Wieviel Promille nach einer Maß?

Auch wenn die Maß Bier auf dem Oktoberfest im Eifer des Gefechts nicht immer ganz voll geschenkt wird, überschätzen viele Wiesnbesucher ihre Trinkfestigkeit. Deswegen kommt es leider allzu häufig vor, dass der Spaß auf dem Fest durch einen anschließenden Wermutstropfen getrübt wird. Denn ob Sie nun auf der Festwiese beim Sanitäter landen oder bei einer Alkoholkontrolle nach dem Wiesnbesuch ihren Führerschein einbüßen, lustig ist das nicht.

  1. Bedenken Sie also: Wenn Sie sich auf dem Fest nur eine Maß genehmigen, haben Sie als Mann mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 80 Kilogramm einen Promillegehalt von 0,75.
  2. Trinken Sie zwei Maßen, liegt Ihr Promillewert schon bei 1,5 und nach drei Litern Bier haben Sie 2,25 Promille Alkohol im Blut.
  3. Als Frau mit einem Durchschnittsgewicht von 60 Kilo weist Ihr Blut bereits nach einer Maß einen Promillegehalt von 1,1 auf. Nach zwei Litern Bier haben Sie 2,2 Promille Alkohol im Blut. Und nach drei Maßen liegt der Alkoholgehalt in Ihrem Blut bei 3,3 Promille.

Wenn Sie das etwas genauer wissen möchten, können Sie anhand Ihres exakten Körpergewichtes den Promillegehalt auch selber ausrechnen. Das geht so:

  • Zunächst müssen Sie wissen, dass das spezifische Gewicht von Alkohol bei 0,8 Gramm pro Kubikzentimeter liegt. Damit können Sie die Menge Alkohol in Gramm ausrechnen, die eine Maß Wiesnbier (je nach Biermarke) aufweist.
  • Das schwache Hacker-Pschorr hält bei 5,8 Prozent Alkohol nach der Formel in einer Maß Bier 46,4 Gramm reinen Alkohol für Sie bereit.
    Biermenge in Milliliter x (Volumenprozent / 100) x spezifisches Gewicht Alkohol: 1000 x (5,8 / 100) x 0,8 = 46,4 Gramm
  • Das starke Hofbräu Oktoberfestbier weist mit 6,3 Volumenprozent nach der gleichen Formel in einer Wienmaß 50,4 Gramm reinen Alkohol auf. 1000 x (6,3 / 100) x 0,8 = 50,4

Wenn Sie je nach Biermarke den Alkoholgehalt in Gramm errechnet haben, müssen Sie das Ergebnis in folgende Formel einsetzen: Promille = Alkoholmenge in Gramm / (Körpergewicht in Kilogramm x Anteil Körperflüssigkeit). Da bei Männern der Anteil von Körperflüssigkeit am Körpergewicht bei 68 Prozent, bei Frauen jedoch nur bei 55 Prozent liegt, ergeben sich unterschiedliche Werte für Männer und Frauen.

  1. Nach 2 Maß Hacker-Pschorr weist ein Mann mit 85 Kilo Körpergewicht folgenden Promillewert auf: (46,4 x 2) / (85 x 0,68) = 92,8 / 57,8 = 1,61 Promille
  2. Trinkt er 2 Maß Hofbräu Festbier sind das (50,4 x 2) / (85 x 0,68) = 100,8 / 57,8 = 1,74 Promille
  3. Bei einer Frau mit einem Körpergewicht von 65 Kilogramm ergeben 2 Maß Hacker-Pschorr Oktoberfestbier folgenden Promillewert: (46,4 x 2) / (65 x 0,55) = 92,8 / 35,75 = 2,60 Promille
  4. Trinkt sie 2 Maß Bier der Marke Hofbräu Festbier, kommt sie auf einen Wert von (50,4 x 2) / (65 x 0,55) = 100,8 / 35,75 = 2,82 Promille